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Ballfinger Desk Lamp - Schreibtischleuchte

 

Die Körperlichkeit der Dinge

Der Name Ballfinger geht zurück auf das Jahr 2004. Zusammen mit einer kleinen Auswahl von Nordrhein-Westfälischen Designstudios beteiligte sich das Designzentrum NRW bereits zum zweiten mal an der internationalen Messe 100%design in London. Diese Messe fand damals noch im Earls Court Exhibition Centre, im Stadtteil Kensington, statt und war bereits im achten Jahr ihres Bestehens weltweit prägend die für Trends im Interior- und Produktdesign. Der Düsseldorfer Industriedesigner Roland Schneider stellte dort erstmalig den Entwurf der Architektenleuchte „Ballfinger desk lamp“ vor. Die kabellose Leuchte griff das Konzept der großen Klassiker „Anglepoise task light“ von George Carwardine 1933 und „Artemide Tizio“ von Richard Sapper 1971 auf und erweiterte es mittels Kugelgelenke und kardanischer Aufhängung um die dritte Raumachse. Bisher ließen sich bewegliche Arbeitsleuchten nur um zwei Achsen verstellen und der bis dahin völlig neue Ansatz stieß auf so großes Interesse, das der Entwurf bereits ein Jahr später unverändert in Produktion ging. Für verschiedene Einsatzzwecke entstand daraus eine ganze Serie von Leuchten, die in den folgenden acht Jahren in insgesamt 16 Ländern erfolgreich vertrieben wurden. Überwiegend Planer und Architekten setzten die Ballfingerserie ein und kombinierten sie nicht nur mit bekannten Einrichtungsklassikern der Moderne, wie denen von Marcel Breuer, Eileen Grey oder Le Corbusier, sondern auch mit zeitgenössischen Entwürfen von beispielsweise Konstantin Grcic oder Hadi Teherani. Mit ihrer zeitlosen Form, der ausgeklügelten Geometrie und den punktgenauen Proportionsverhältnissen gilt der ursprüngliche Entwurf der Ballfingerserie heute als eine der schönsten Schreibtischleuchten.

Neben Aufträgen für die Industrie arbeitet das Studio Roland Schneider weiterhin an freien Projekten. So entstand im Jahr 2010 die mechanische Armbanduhr „Triplex“. Bei einer Größe von 42 mm war sie die erste Herrenuhr, deren Format über die Funktion als reines Stilmittel hinaus ging. Ihre Größe und Form ließ sich rational begründen: Dazu war ihr Gehäuse nicht einfach nur quadratisch, sondern in drei Segmente unterteilt und diente als Faltschließe. Die so erzwungene, schmucklose und radikale Form war eine Provokation: Sie entsprach nicht dem gewohnten Bild und erhielt zunächst wenig Zuspruch. So entstand ein Jahr später die Triplex 2 Chronograph. Diese Uhr war sportlicher, hatte nun verrundete Kanten und wurde von dem bewährten Uhrwerk ETA Valjoux 7750 angetrieben. Im Jahr 2013 folgt die dritte Baureihe: Die T 33 kam ebenfalls mit mehrteiligem Gehäusekonzept, sie orientierte sich aber wieder am klassischen Layout und trägt die Schließe am Armband. Während die Leuchten noch mit altbekannten Techniken und in hohen Stückzahlen produziert werden konnten, erfordert das Design der Triplex ein Höchstmaß an Präzision und die zerspanende Herstellung aus Vollmaterial. So werden die Uhren in aufwändigen Verfahren und vergleichsweise kleiner Auflage gefertigt. Ähnlich verhält es sich mit der T 33; ihr innovatives Design brachte die Entwicklung neuer Umformtechniken mit sich. Dabei werden die Gehäuseteile aus Flachmaterial geschnitten und in komplizierten, genau einzuhaltenden, Arbeitsschritten dreidimensional in Form gebracht und veredelt. Ballfinger macht also nicht nur Design und Konstruktion, sondern blickt über den Tellerrand hinaus und bezieht früh die künftige Produktion in den Gestaltungsprozess ein – entwickelt dabei flexible und modulare Produktionssysteme, die sich gut auf andere Anwendungen übertragen lassen.

Die Entscheidung, künftig auch Audiokomponenten und Antriebseinheiten zu produzieren, fiel im Jahr 2013. In einer Zeit, in der bereits alles tonale und visuelle in ein Telefon passt und sich das breite Comeback von Vinyl abzeichnete, begann die Entwicklung von Plattenspieler und Tonbandgerät. Dabei galt viel Aufmerksamkeit der Magnetbandtechnik: Sie stellt nicht nur die höchsten Anforderungen an Präzision, Design und Herstellbarkeit, sondern ihr wird auch ein erheblicher Anteil an der Entstehung der heutigen Musikkultur zugeordnet. Professionelle Bandmaschinen waren bis zum Einzug der Digitaltechnik bis Anfang der 1990er Jahre die Arbeitsgeräte in der Musikproduktion. Als einziges Speichermedium für Musik und Sprache war diese Technik damit stets die Ausgangsbasis für alle weiteren Tonträger wie Schallplatte und Compact Disk. Die Digitaltechnik veränderte zunächst alles, die bisher ungebrochene Aura der großen Bandmaschinen konnte sie jedoch nicht ersetzen. In vielen Bereichen der Musik ist die Magnetbandtechnik heute wieder gefragter denn je: Ihre klanglichen Eigenschaften sind nicht zu überhören und sie stellt zunehmend eine sinnvolle Ergänzung zum Digital Recording dar.

Darüber hinaus – bei allen technischen Möglichkeiten heute und in Zukunft: Es ist davon auszugehen, dass wir Menschen noch lange die Körperlichkeit der Dinge immer der weitergehenden, durch technischen Fortschritt möglichen, Reduktion vorziehen werden. Denn so komfortabel und verlockend neue Technologien am Anfang immer sind: Wir wollen sehr wohl zwischen beliebiger Benutzeroberfläche und realer Substanz wählen können. Die Indizien dafür sind unübersehbar: So wird beispielsweise das gedruckte Buch immer in unseren Regalen stehen und all ihren Unzulänglichkeiten zum Trotz: Die Schallplatte als haptisches Speichermedium erfreut sich wieder höchster Beliebtheit, ohne dass der Industrie anfänglich daran eine Beteiligung nachgewiesen werden kann.

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